Dienstag, 11. Mai 2010

Helsinki und Stockholm Trip

Meine Lieben,

seit dem letzten Eintrag ist es ja schon ein Weilchen her.
Heute bekommt ihr deswegen umso mehr zu lesen, also macht es euch schonmal gemütlich...Nach meinem Tallinn-Trip bin ich leider dank der Klimaanlage im Bus krank geworden und habe ein paar Tage nur grippig im Bett verbracht.
Danach standen dann Klausuren auf dem Plan. Nach der Business-Legislation-Klausur am 29.04.2010 bekam ich ziemlich heftige Schmerzen in der rechten Schulter - ich vermute, dass ich bei der Klausur falsch gesessen bin. Am Abend gingen die meisten aus, um die Klausur zu feiern. Auch ich trank zu Hause ein Bier mit, allerdings konnte ich die Dose nicht in der rechten Hand halten. Der Abend, die darauffolgende Nacht und der nächste Tag waren einfach nur schrecklich - v.a. wenn ich den Arm ruhig hielt, wurde mir schwindelig und übel. So fuhr ich am Frietag abend noch in die "amerikanische Klinik" hier in St. Petersburg. Zum Glück erklärte Simone sich bereit, mit mir in die Stadt zukommen. Noch einmal vielen lieben Dank dafür!!!
Die Klinik machte einen sehr guten Eindruck und fast jeder konnte super gut Englisch sprechen, was ja eine echte Ausnahme für Russen ist. Die Ärztin stellte dann eine Entzündung in der Schulter fest. Sie verschrieb mir Schmerztabletten und ein Pflaster mit Betäubungsmittel, dass ich abends auf die Schulter kleben sollte. Die hohe Dosis an Schmerzmitteln (800mg am Tag... ich musste ja in 3 Tagen schon wieder fit sein, da die nächste Klausur anstand) machten mich total aufgedreht und oft war ich bis zum Morgengrauen noch wach (SPECIAL THANKS to JAANA - my Roomie - who was so comprehensive!!!)
Schnell ging es mir wieder besser und auch die Klausur stellte dank intensivem Vorwissen von Hr. Brandstätter keinerlei Probleme dar.
Nun ja und gerade liege ich in der Kabine Nr. 2036 vom Typ C4 (die billigste ohne Fenster und direkt unter dem Autodeck) auf der Fähre von Helsinki nach Stockholm. Und zwar ist heute bereits soviel aufregendes passiert, dass ich mir gedacht habe, dass ich meine Erlebnisse sofort zu Papier bringen muss für euch, damit ich auch ja nichts vergesse. (Bin schon gespannt, ob ich meine Sauklaue später noch entziffern kann.)

Heute Morgen um 05.45h (also für mich nach 3 Stunden Schlaf aufgrund der Schmerztablette) brachen Simone und ich zu unserem langersehnten Schweden-Finnland-Trip auf.Unser Plan war folgender:
  • Bus nach Helsinki
  • Nachmittags mit der Fähre nach Stockholm, Ankunft Donnerstag Morgen

  • 2 Nächte in Stockholm
  • Samstag Abend Fähre zurück nach Helsinki
  • 1 Nacht in Helsinki
  • Montag Abend Fähre zurück nach St. Petersburg, Ankunft Dienstag Morgen
Um 7h fuhr also unser Mini-Bus nach Helsinki ab. Zu den Grenzübergängen werde ich diesmal nichts generelles mehr sagen, alles spielte sich ganz genauso ab wie an der russisch - estnischen Grenze.Die Fahrt jedoch war um einiges amüsanter: Bei der Rast vor der Grenze sprach mich die Busorganisatorin an. Es ging um Zigaretten, soviel habe ich verstanden. Als Nichtraucher sagte ich einfach mal "NEIN". Meine Vermutung war, dass sie mit mir rauchen wollte, denn sie zeigte mir ein Päckchen Zigaretten und deutete nach draußen. Etwas später sag ich die Frau, wie sie einer anderen Reisenden Geld gab. So ging ich hin und frage noch einmal nach. Ich verstand nun, dass es um Zigaretten und die Grenze ging. Ich nahm also an, sie wollte, dass ich für sie Zigaretten im Duty Free Shop kaufe, damit sie mehr hatte. Also fragte ich welche Sorte und wie viele. Sie schaute mich nur verwirrt an und sagte: "Komm, wir fahren weiter." Dabei deutete sie mit einem geheimnisvollen Blick auf den Bus. An der Grenze angekommen durften alle aussteigen - außer mir. Sie holte eine Stange Zigaretten hervor und fragte mich nun, ob ich so tun könnte, als ob dies meine wären, sollte jemand nachfragen. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass genau 1 Stange pro Person erlaubt ist, willigte ich ein. Leider erfuhr ich erst wieder nach unserem Trip, dass diese Schmuggelei Gang und Gebe ist und man normalerweise dafür ein paar Rubel verlangen kann.

Das nächste Erlebnis passierte bei der Einreise nach Finnland. Als EU-Bürger aus Russland kommend erregten Simone und ich ohnehin schon nicht wenig Aufmerksamkeit. Als nun der Beamte meinen Pass anschaute, fragte er (so dass es jeder um uns herum hören könnte), ob ich wirklich in Düren geboten wäre. Ich sagte: "Ja." Er lächelte (!!! WELCOME HOME TO EUROPE, SOMEBODY IS SMILING AT YOU) und erzählte, er würde am Freitag nach Köln zum Eisockeyspiel fliegen. Ich war so perplex, dass ich ihm glaube ich noch nicht einmal viel Spaß gewünscht habe, sondern einfach, als er mit den Pass wiedergab, mit einem "Bye" gegangen bin. Mit einem Schmunzeln sagte ein Russe, der das ganze beobachtet hatte: "Ja so ist das halt, da erweckt man eben Aufmerksamkeit als deutsches Mädl."

Letztendlich kamen wir sehr früh in Helsinki an und Simone und ich hatten weder einen Stadtplan, noch ein paar Infos von unseren finnischen Studienkollegen, wie wir in Helsinki die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre überbrücken könnten. Normalerweise braucht man nämlich für die Fahrt weitaus länger, sodass wir nicht mit dem langen Aufenthalt gerechnet haben. Dann kam uns die Idee - auf geht's zum Friseur. Da wir auf russisch nicht erklären können, was wir gerne hätten und weil alle die, die beim Friseur in St. Petersburg waren, einfach nur schrecklich aussahen, hatten wir den Friseurbesuch sowieso schon dringend nötig. So kam es dann, dass wir bei dem charmanten Mario landeten, der sowohl Simone, als auch mit eine ansehnliche Frisur und Strähnen verpasst.


Frisch gestylt konnte nun der Abend auf der Fähre beginnen. Nach Duty Free, Animationsabend und Bestaunen des Sonnenuntergangs (Simones Kommentar: "Kati, es tut mir leid, aber gerade würde ich mir wünschen, du wärest männdlich") ging es dann müde aber glücklich und voller Vorfreude auf Stockholm ins Bett.






Stockholm bei unserer Ankunft mit der Fähre



In Stockhom machten wir uns dann auf den Weg ins Hotel, um die Tasche abzustellen und unser Hotelzimmer zu beziehen. Wir deckten uns mit Info-Sightseeing-Material ein und beschlossen, bei dem schönen Wetter eine Schiffstour zu machen. Danach ließen wir uns bei einem Spaziergang durch die Stadt die Sonne ins Gesicht scheinen.
(Hier schonmal Danke an Jürgen, der uns seinen Stockholm Reiseführer und Karte mitgebracht hatte, als er in St. Petersburg war!!)

Beim Flanieren durch die Fußgängerzone tippte mich auf einmal jemand an - und wer steht vor mir?
ROMANA!!! (eine Studienkollegin aus Steyr, die in ihrem Auslandssemester in einem kleineren Ort in Schweden verbringt)

Den Abend ließen wir in einem thailändischen Resturant und schwedischen Teilchen in einer echten Konditorei ausklingen.

das moderne Stockholm bei Nacht

(Zwischenkommentar: Mittlerweile sitze ich übrigens vor einem Fenster der Princess Maria der St. Peter Line mit Blick auf das weite Meer, unser Urlaub ist so gut wie vorbei, denn wir nähern uns St. Petersburg bei jedem Wort, das ich schreibe.)


Nun zurück zu Stockhom: am 2. Tag (also Freitag), nach einem leckeren Frühstücksbuffet, steuerten wir den Palast und Regierungssitz der schwedischen Königsfamilie an, da Romana uns am Vortag den Tipp gegeben hatte, unbedingt die Wachablöse anzuschauen. Das hat sich echt total gelohnt (Danke Romana!) da sich vor dem Palast ein riesen Spektakel (inkl. Musikkappelle, Pferden und TV-Team) abspielte.


Danach begann unser Shopping-Marathon durch diverse Stockholmer Geschäfte.Als sich der Hunger bemerkbar machte, suchten wir ein schwedisches Restaurant auf, das uns die Rezeptionistin im Hotel empfohlen hatte.
Auch dieser Tipp hat sich als äußerst hilfreich herausgestellt: die Köttbullar mit den frischen Preiselbeeren waren traumhaft!!!

Nach kurzem Frisch-Machen im Hotel gingen wir in eine Bar namens "Strand" (es war allerdings mittlerweile superkalt, aber kein Regen zum Glück) und genossen ein Gläschen Wein.
Das Aufstehen am nächsten Morgen war recht schwer, war es doch am Abend zuvor ein bisschen länger geworden. Wir hatten uns einen genauen Zeitplan gemacht, denn es gab noch das Rathaus und die Markthalle zu besichtigen, bevor unser Schiff am Abend wieder ablegte.

Rathaus

Deutsch, wie wir nun mal sind, hielten wir uns an unseren Plan, machten eine lohnenswerte Führung im Stadshuset" und bestaunten all die frischen und leckeren Dinge in Stockholms Nobelmarkthalle.


Mit etwas Wehmut bezogen wir am frühen Abend wieder unsere Economy-Kabine auf der MS Gabriella.
Im Duty-Free gönnten wir uns einen Mini Vodka, der dann folgendermaßen getrunken wurde:



Da wir nun an einem Samstag Abend auf der Fähre waren, war die Tanzfläche der Borddisco nicht wie am Mittwoch bei der Hinfahrt mit superniedlichen, standardtanzenden Omas und Opas gefüllt, sondern mit partywilligen, jungen Leuten.
Schnell sprachen uns die ersten finnischen Männer an und bald lerten wir den Direktor des finnischen Skiverbunds und keine Kollegen kennen, die uns gerne den ein oder anderen Drink zahlten :)

In den frühen Morgenstunden genossen wir dann noch ein paar Stunden Schlaf - ob
allerdings das Schaukeln vom Schiff und den Wellen oder vom Lonkero (finn. Longdrink mit Grapefruit - lecker!) kam, kann ich euch nicht genau sagen...

Am nächsten Morgen holte uns Simones Studienfreundin Denise am Helsinkier Bahnhof a. Denise verbringt ihr Auslandssemester in Helsinki, wohnt dort im Studentenwohnheim und bei ihr haben wir auch übernachten dürfen.Danke dafür, liebe Denise und vielen Dank, dass du uns die Stadt gezeigt hast und dir Zeit für uns genommen hast!!

Kathedrale von Helsinki

Nach einem Spaziergang entschieden wir uns, da es ungemütliches Regenwetter war, mit der Straßenbahn zu einer Kirche zu fahren, die in einen Felsen gebaut ist.
Nach einiger Zeit fiel Denise auf, dass wir die falsche Bahn in die entgegengesetzte Richtung genommen hatten. Allerdings blieben wir sitzen, da die Straßenbahnen zum einen im Kreis fahren und zum anderen genau diese Linie sogar in Reiseführern für Straßenbahn-Sightseeing-Touren empfohlen wurde. Von ihr aus kam man an den wichtigsten Punkten der Stadt vorbei und wir wurden noch nicht einmal nass.
Letztendlich schafften wir es doch noch nach ca. 1 Stunde zur Felsenkirche.

Den Abend ließen wir anschließend bei einem Mexikaner und leckeren Tortillas ausklingen.

Den heutigen Tag begannen wir mit einem leckeren Frühstück, sodass wir ausgeschlafen und gestärkt in den letzten Tag starten konnten. Neben Geschäfte-Bummeln stand heute ein Supermarktbesuch auf dem Plan.

Wie immer, wenn wir in Stockholm oder Helsinki einen Supermarkt betraten und die Gemüse- und Früchteauswahl entdeckten, verschlug es und auch diesmal den Atem. So viel Gesundes auf einem Fleck, in Bergen angehäufte Tomaten, frische Salate..., glänzende Erdbeeren, Äpfel... (Denise konnte sich ein Schmunzeln nich verkneifen!)
Doch wir sind einfach hin und weg, da in russischen Supermärkten Paprikas Luxusgüter sind, wenn sie überhaupt und nur mit viel Glück zu kaufen sind, Tomaten schon im Geschäft matschig und manchmal schimmelig sind und der einzige, einigermaßen leistbare Salat aus 3 Blättern in einem Miniblumentöpfen zu kaufen ist!

Also macht euch schonmal gefasst, was passiert, wenn ihr mit mir mal wieder in einen Supermarkt geht im Sommer oder wenn ich deinen Garteh sehe, Oma!!!
Voll bepackt mit neuen Klamotten aus Stockholm und Lebensmitteln aus Helsinki stand auch schon die Rückfahrt nach St. Petersburg - mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf dem Plan.

Abschlussfoto auf der Princess Maria von Helsinki zurück nach St. Petersburg

V.a. Stockhom war total europäisch, freundlich, überschaulich klein, gemütlich, sauber, grün, z.T. sonnig, warm, hilfsbereit, zuvorkommend, angenehm, ruhig, größtenteils rauchfrei - kurz: "heimisch".
Doch freue ich mich auch schon wieder auf "zu Hause" - unbeschwertes Studentenleben in St. Petersburg, meine dortigen, neugewonnenen Freunde, die ich in den 6,5 Tagen doch auch vermisst habe, auf "mein" Bett und und und...

Außerdem warten in Russland auch mich nun die 4,5 letzten Wochen:
  • Nächstes Wochenende steht schon der Moskautrip mit 3 liebenswerten Jungs (2 Slowaken und 1 Tscheche) vor der Türe.
  • Die Nächte hier in St. Petersburg werden heller und wärmer.
  • Die Brücken in der Stadt über der Newa öffnen sich, damit größere Schiffe passieren können.
  • und vieles mehr...
Heute in genau 3 Wochen genieße ich die ersten Stunden mit dir, Mama.
In weniger als 5 Wochen (genauer gesagt in 32 Tagen) bin ich schon wieder zu Hause und genieße hoffentlich die ersten Stunden, Grillwürstchen, Salate und Kölsch zu Hause beim Public Viewing von Deutschlang gegen Australien mit euch, Papa, Marcel, Jan, Oma, Opa, Onkel Paul, Martina, Julian, Jens, Christina, Rebecca, Ute, Anette, Christian, Nina, Janine...

Sooooo, ihr lieben und fleißigen Leser... nun mach ich mal Schluss, schließlich geht es morgen gegen Mitternacht auf die 10stündige Zugfahrt nach Moskau ;)

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